Wäh­rend der Bun­des­rat dar­über nach­denkt, wie er das Wider­rufs­recht von Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen “ent­schär­fen“ kann, hat der Bun­des­ge­richts­hof in einem Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015, der soeben ver­öf­fent­licht wur­de, ein etwa noch bestehen­des Wider­rufs­recht von Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­gen “wert­hal­ti­ger“ gemacht.

Konn­te der Ver­brau­cher bei einer geset­zes­wid­ri­gen Wider­rufs­be­leh­rung sein Dar­le­hen wider­ru­fen, schul­de­te er der Bank die Rück­zah­lung des ursprüng­lich gewähr­ten Dar­le­hens zzgl. Zin­sen und konn­te von der Bank die Rück­zah­lung sei­ner Kapi­tal­dienst­ra­ten aus Zins- und Til­gungs­leis­tung zzgl. Zins­nut­zung ver­lan­gen. Der BGH hat­te die­se Berech­nungs­grund­la­ge nun­mehr zu Las­ten der Ban­ken ver­än­dert. Danach steht den Ban­ken neben der Rück­zah­lung des Kre­di­tes nur Zin­sen auf die jewei­li­ge Inan­spruch­nah­me des Dar­le­hens wäh­rend der Lauf­zeit bis zum Wider­ruf zu. Die Stif­tung Waren­test hat das Urteil anschau­lich kom­men­tiert und an einem Bei­spiels­fall klar gemacht, wel­che enor­me wirt­schaft­li­che Aus­wir­kung der neue Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs für Ver­brau­cher haben kann.

Unter der Über­schrift „BGH-Beschluss bringt Kre­dit­neh­mern noch mehr Geld“ berich­tet die Stif­tung Waren­test wie folgt:

Der Streit ums Widerrufs­recht

Recht­licher Hin­ter­grund: Bei rund 80 Pro­zent der von Herbst 2002 an geschlos­se­nen Immobilien­kredit­verträge sind die Widerrufs­belehrungen fehler­haft. Kre­dit­neh­mer kön­nen sol­che Ver­trä­ge auch heu­te noch wider­ru­fen. Weil die Zin­sen stark gesun­ken sind, kön­nen Kre­dit­neh­mer auf die­se Wei­se vie­le Tau­send Euro spa­ren. Einzel­heiten, Tipps, Muster­texte und Excel-Rech­ner lie­fert test.de im Spe­cial Immo­bi­li­en­kre­di­te: So kom­men Sie aus teu­ren Kre­dit­ver­trä­gen raus. Ins­ge­samt geht es um hun­der­te Mil­li­ar­den Euro. Allein die aktu­el­le Ent­schei­dung des Bundes­gerichts­hofs ist geeig­net, Kre­dit­neh­mern in der Sum­me vie­le Mil­li­ar­den Euro zu brin­gen.

 Der Streit um die Rück­abwick­lung

Zusätz­lich zur Zins­ersparnis durch den Aus­stieg aus dem Kredit­vertrag pro­fi­tie­ren Kre­dit­neh­mer nach Wider­ruf von der Rück­abwick­lung des Ver­trags. Bis­lang war umstrit­ten, wie die­se genau

vor­zu­neh­men ist. Nun hat der Bundes­gerichts­hof eine Ent­schei­dung mit kla­ren Ansa­gen für die Rück­abwick­lung veröffent­licht. Danach

 

  • steht Kre­dit­neh­mern die Erstat­tung aller Ratenzah­lungen zu. Außer­dem muss die Bank heraus­geben, was sie mit dem Geld der Kun­den erwirt­schaftet hat. Solan­ge die Bank das nicht genau belegt, hat sie Zin­sen in Höhe von fünf Punk­ten über dem Basiszins­satz zu zah­len.
  • steht der Bank im Gegen­zug die Rück­zahlung der Kre­dit­sum­me zu – sowie Zin­sen auf die jewei­li­ge Rest­schuld.

 

Die Ent­schei­dung erstaunt, denn die­se Art der Berech­nung ist neu. Bis­her hat­te gegol­ten: Wenn der Kun­de alle bereits bezahl­ten Kre­dit­ra­ten samt Zin­sen dar­auf zurück erhält, ste­hen der Bank Zin­sen auf die gesam­te Kre­dit­sum­me zu. Der Unter­schied sum­miert sich je nach Kre­dit­sum­me und Höhe des Tilgungs­anteils in den Raten schon nach weni­gen Jah­ren auf etli­che Tau­send Euro. Bei einer sehr lan­gen Lauf­zeit eines Kre­dits mit drei bis vier Pro­zent Anfangs­tilgung bis zum Wider­ruf ste­hen Kredit­kunden bei Rück­abwick­lung nach den neu­en BGH-Ansa­gen fast dop­pelt zu gut da wie bis­her.

 

Rechenbei­spiel: Der Wider­ruf eines Ende Dezem­ber 2004 aus­ge­zahl­ten Kre­dits in Höhe von 150 000 Euro, für den 4,0 Pro­zent Zin­sen und Monats­raten à 908,97 Euro zu zah­len waren, bringt bei Abrech­nung nach den aktu­el­len BGH-Ansa­gen einen Vor­teil von 33 322 Euro, wenn der Kun­de am 31.10.2015 wider­ruft. Nach der herkömm­lichen Art und Wei­se abge­rechnet, beläuft sich der Widerrufs­vorteil auf 20 076 Euro.

Klar: Für tilgungs­freie Dar­le­hen, wie sie im Rah­men von Bausparso­fort­finanzierungen oder auch schon mal kom­bi­niert mit Geld­anlagepro­dukten wie Kapital­lebens­versicherungen ver­ge­ben wer­den, ändert die neue Ansa­ge des BGH nichts.“

Wei­te­re Hin­wei­se: https://goo.gl/uhV7Hs

 

Da zu befürch­ten steht, dass das “ewi­ge“ Wider­rufs­recht im Fal­le geset­zes­wid­ri­ger Wider­rufs­be­leh­run­gen im Jah­re 2016 kip­pen könn­te, soll­ten Dar­le­hens­neh­mer zeit­nah Ihre Dar­le­hens­ver­trä­ge auf ein ggf. noch heu­te bestehen­des Wider­rufs­recht prü­fen las­sen.

Quel­le: Finan­ci­al Advices