Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in sei­ner Sit­zung vom 22. März 2016 erneut mit den Bera­tungs­pflich­ten von Ban­ken beim Abschluss von Zins­satz-Swap­ver­trä­gen beschäf­tigt und damit sei­ne bis­he­ri­gen Grund­satz­aus­füh­run­gen zur Kon­ne­xi­tät von Dar­le­hens- und Swap­ver­trag kon­kre­ti­siert. So leg­ten die Karls­ru­her Rich­ter fest, wel­che Anfor­de­run­gen an kon­ne­xe Ver­trags­kom­bi­na­tio­nen zu stel­len sind. Liegt kei­ne Kon­ne­xi­tät vor, so erhöht sich der Umfang der Bera­tungs­pflich­ten eines Kre­dit­in­sti­tuts ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Auf­klä­rung über den nega­ti­ven Markt­wert.

Eine Gemein­de in Nord­rhein-West­fa­len schloss im Jahr 2009 meh­re­re Swap­ver­trä­ge mit der WestLB, wobei zwei der Ver­trä­ge der Ablö­sung vor­an­ge­gan­ge­ner, wirt­schaft­lich nicht sinn­vol­ler Swap­ver­trä­ge dien­ten. Damit war die Klä­ge­rin zwar über das Bestehen eines nega­ti­ven Markt­wer­tes infor­miert, nicht jedoch über des­sen Höhe. Das Ein­prei­sen eines nega­ti­ven Markt­wer­tes in ein Swap­ge­schäft aber stellt einen schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt dar, wes­halb dies­be­züg­lich stren­ge Bera­tungs­pflich­ten für Bank gel­ten, sofern kein kon­ne­xes Grund­ge­schäft vor­liegt.

Lan­ge Zeit waren die an das kon­ne­xe Grund­ge­schäft anzu­le­gen­den Maß­stä­be unklar, wur­den jetzt aller­dings vom Bun­des­ge­richts­hof klar defi­niert:

  • Bei Dar­le­hens­ge­ber und Swap­ver­trags­part­ner muss es sich um den­sel­ben Ver­trags­part­ner han­deln
  • Der Bezugs­be­trag des Zins­swap­ver­tra­ges muss der zum jewei­li­gen Zeit­punkt bestehen­den Restva­lu­ta des Dar­le­hens ent­spre­chen bzw. darf die­se nicht über­stei­gen
  • Lauf­zeit des Swap­ver­tra­ges und Lauf­zeit des varia­blen Dar­le­hens­ver­tra­ges müs­sen ein­an­der ent­spre­chen bzw. darf die Lauf­zeit des Swap­ver­tra­ges die des Dar­le­hens nicht über­stei­gen
  • Die jewei­li­gen Zins­zah­lungs­ter­mi­ne für Dar­le­hens­neh­mer und Swap­ver­trags­part­ner müs­sen über­ein­stim­men
  • Der Zins­satzswap muss der Umwand­lung eines varia­blen Dar­le­hens in ein syn­the­ti­sches Fest­zins­dar­le­hen oder der Umwand­lung eines Fest­zins­dar­le­hens in ein syn­the­ti­sches varia­bles Dar­le­hen die­nen.

Hel­mut-Joa­chim König, Geschäfts­füh­rer der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. und Kre­dit­sach­ver­stän­di­ger der Finan­ci­al Advices GmbH in Göt­tin­gen, ermu­tigt Dar­le­hens­neh­mer, sich der­ar­ti­ge Fehl­be­ra­tun­gen nicht gefal­len zu las­sen: „Die die­sem Urteil zugrun­de­lie­gen­de Bera­tungs­si­tua­ti­on stellt kei­nes­wegs einen Ein­zel­fall dar. Wir kön­nen Dar­le­hens­neh­mer daher nur immer wie­der raten, ihre Ver­trä­ge prü­fen zu las­sen, denn ein nega­ti­ver Markt­wert stellt eine mas­si­ve Belas­tung der Boni­tät dar“.


Dar­le­hen mit einem Fest­zins kamen Bank­kun­den in Deutsch­land teu­er zu ste­hen. Der Grund: Die Kre­dit­neh­mer glaub­ten, sich mit die­ser Vari­an­te gegen stei­gen­de Zin­sen und Kos­ten abzu­si­chern. Der gewünsch­te Schutz vor der vola­ti­len Markt­ent­wick­lung kos­te­te aller­dings unter dem Strich um bis zu 69 Pro­zent mehr als die alter­na­ti­ve varia­bel ver­zins­li­che Vari­an­te. In der Pra­xis ist das vor allem bei der Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung bri­sant. Erfah­rungs­ge­mäß sind hier die Finan­zie­rungs­sum­men am größ­ten und die Lauf­zei­ten am längs­ten. Das zeigt eine von der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. beauf­trag­te Finanz­ana­ly­se, die von Finan­ci­al Advices GmbH aus Göt­tin­gen durch­ge­führt wur­de.

Unser Dar­le­hens­ver­gleich der ver­gan­ge­nen 25 Jah­re zeigt, dass Kre­dit­neh­mer mit der Fest­zins­ver­ein­ba­rung beträcht­li­che höhe­re Kos­ten hat­ten, als wenn deren Zins­satz varia­bel an die aktu­el­le Markt­ent­wick­lung (Euri­bor) gebun­den gewe­sen wäre“, sagt Hel­mut-Joa­chim König von der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. „Die Zins­ver­ein­ba­rung ist neben Til­gungs­form und Lauf­zeit einer der wesent­li­chen Kos­ten­fak­to­ren. Daher mach­te die Ent­schei­dung der meis­ten Käu­fer, ihre Immo­bi­lie per Fest­zins zu finan­zie­ren, wirt­schaft­lich nur sel­ten Sinn.“

Die bei fixier­tem Zins­satz zwi­schen 1991 und 2016 ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten sind beträcht­lich: Sie belau­fen sich für ein Fest­zins­dar­le­hen mit 15-jäh­ri­ger Zins­bin­dung in der Spit­ze auf rund 69 Pro­zent der finan­zier­ten Sum­me. Bei den auf 10 Jah­re fest­ge­schrie­be­nen Dar­le­hen beträgt der Mehr­auf­wand an Zins­kos­ten bis zu 44 Pro­zent. Ledig­lich die 5-jäh­ri­ge Zins­bin­dung ermög­lich­te in fünf Fäl­len, dass Kun­den damit mini­mal bes­ser abschnit­ten: Im Ver­gleich zur varia­blen Ver­zin­sung liegt der Vor­teil bei maxi­mal 1,25 Pro­zent des finan­zier­ten Betra­ges.

Dar­le­hen mit varia­blem Zins füh­ren hier­zu­lan­de noch ein Schat­ten­da­sein — Ban­ken raten höchs­tens für die Zwi­schen­fi­nan­zie­rung zu die­ser Alter­na­ti­ve. Das soll­te so nicht sein“, sagt Hel­mut-Joa­chim König. Denn die varia­ble Ver­zin­sung hat sich im Ver­gleich zum Fest­zins als das güns­ti­ge­re Ange­bot erwie­sen. Wer in Deutsch­land bei­spiels­wei­se eine Immo­bi­lie finan­zie­ren will, soll­te aus sämt­li­chen ver­füg­ba­ren Vari­an­ten aus­wäh­len kön­nen. Damit gehört die fle­xi­ble Dar­le­hens­ver­zin­sung als fai­res Ange­bot in das Stan­dard-Reper­toire von Bank­be­ra­tern, zumal der Dar­le­hens­neh­mer je nach Markt­ent­wick­lung vom varia­bel ver­zins­li­chen Dar­le­hen in ein Fest­zins­dar­le­hen wech­seln oder aber Zins­si­che­rungs­ge­schäf­te abschlie­ßen kann.“

Für wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen wen­den Sie sich bit­te an die Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. unter www.ksv-mittelstand.de.