Bei Dar­le­hens­ver­trä­gen mit varia­blen Zins­sät­zen haben Kre­dit­in­sti­tu­te in der Ver­gan­gen­heit zahl­rei­che Feh­ler gemacht. Dabei gera­ten aktu­ell beson­ders die Deut­sche Apo­the­ker- und Ärz­te­bank und Ihre CAP-Gebüh­­ren ins Visier von Ver­brau­cher­schüt­zern und Anwäl­ten. Und das nicht ohne Grund.

 Am 1. Dezem­ber 2016 muss­te die Deut­sche Apo­the­ker- und Ärz­te­bank („Apo­bank“) einen deut­li­chen Dämp­fer vor dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hin­neh­men. Das Gericht unter­sag­te es dem Kre­dit­in­sti­tut, zukünf­tig fol­gen­de For­mu­lie­rung in ihren CAP-Dar­­­le­hen­s­­ver­­­trä­gen zu ver­wen­den:

*) Bis zum XX.XX.XXXX beträgt der Zins­satz min­des­tens X % p. a- und höchs­tens X % p.a.. Die oben ange­führ­te Zin­s­­cap-Prä­­mie ist sofort fäl­lig.“

Im Fal­le einer Zuwi­der­hand­lung wer­den ein Ord­nungs­geld in Höhe von bis zu 250.000 € bzw. bis zu 6 Mona­te Ord­nungs­haft, zu voll­stre­cken an einem der Vor­stands­mit­glie­der, fäl­lig.

Das Gericht begrün­det sei­ne Ent­schei­dung damit, dass die Klau­sel gegen das Trans­pa­renz­ge­bot ver­stößt und den Dar­le­hens­neh­mer dar­über hin­aus in unan­ge­mes­se­ner Wei­se benach­tei­ligt. So zahlt der Dar­le­hens­neh­mer zwar für die Zins­ober­gren­ze eine Gebühr an die Bank, erhält jedoch kei­ne Gegen­leis­tung dafür, dass er sich ver­pflich­tet, einen Min­dest­zins von i. d. R. 3,5 % zu zah­len. Die­se Geset­zes­ver­stö­ße füh­ren dazu, dass Dar­le­hens­neh­mer einen Anspruch auf Erstat­tung der Zin­s­­cap-Prä­­mie haben.

Bereits seit meh­re­ren Jah­ren machen wir gemein­sam mit unse­ren Koope­ra­ti­ons­an­wäl­ten Ansprü­che auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge gegen­über der Deut­schen Apo­the­ker- und Ärz­te­bank gel­tend. Die Bank unter­stell­te uns ins ihren Ant­wort­schrei­ben regel­mä­ßig eine „höchst indi­vi­du­el­le“ Mei­nung. Die­se Ansicht ist spä­tes­tens seit dem 1. Dezem­ber 2016 obso­let.

Das Urteil kön­nen Sie hier abru­fen.


Bun­des­ge­richts­hof erklärt wei­te­re Bank­ge­büh­ren für unwirk­sam

In Zei­ten nied­ri­ger Zin­sen kennt die Krea­ti­vi­tät der Ban­ken bei der Erhe­bung von Gebüh­ren kei­ne Gren­zen. Doch auch nied­ri­ge Zin­sen recht­fer­ti­gen kei­ne unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung von Ver­brau­chern, wie der Bun­des­ge­richts­hof mit sei­nem Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2017 gegen die Spar­kas­se Frei­burg deut­lich macht (Az. XI ZR 590/​​15).

Meh­re­re von der Spar­kas­se Frei­burg erho­be­ne Gebüh­ren, u. a. für die Ableh­nung einer Last­schrift per Post oder die Anpassung/​​Löschung eines Dau­er­auf­trags wur­den durch das Gericht für unzu­läs­sig erklärt. So ist die Löschung eines Dau­er­auf­trags nach der Auf­fas­sung des vor­sit­zen­den Rich­ters, Jür­gen Ellen­ber­ger, als Wider­ruf zu betrach­ten. Das Wider­rufs­recht ist gesetz­lich fest­ge­schrie­ben und stellt damit kei­ne Son­der­leis­tung des Kre­dit­in­sti­tuts dar. Folg­lich dür­fen auch kei­ne Gebüh­ren erho­ben wer­den. „Die von der Spar­kas­se gefor­der­ten Prei­se müss­ten sich an den tat­säch­li­chen Kos­ten der Bank ori­en­tie­ren“, erklärt Ellen­ber­ger. Dabei dür­fen all­ge­mei­ne Betriebs­kos­ten jedoch nicht den Kun­den zuge­scho­ben wer­den.

Wir sind sicher, dass dies nicht die letz­ten Gebüh­ren sind, die der Bun­des­ge­richts­hof für unwirk­sam erklärt und infor­mie­ren Sie, sobald es wei­te­re Neu­ig­kei­ten zu die­sem The­ma gibt.


Mit dem am 04.10.2016 ver­öf­fent­lich­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs – Akten­zei­chen XI ZR 564/​​15 – ist end­lich Klar­heit geschaf­fen wor­den! Über vie­le Jah­re haben Gerich­te die Wider­rufs­be­leh­rung von Spar­kas­sen ein­mal für zuläs­sig, zum ande­ren aber für geset­zes­wid­rig erklärt. Einer der Streit­punk­te war die Fra­ge, ob die in der Wider­rufs­be­leh­rung auf­tau­chen­den Fuß­no­ten, die u. a. die For­mu­lie­rung ent­hiel­ten “Bit­te Frist im Ein­zel­fall prü­fen“, den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an eine deut­li­che, ver­ständ­li­che und kla­re Wider­rufs­be­leh­rung gerecht wür­den oder nicht. Dazu der BGH:

Zwar gibt sie [die Beleh­rung] die Wider­rufs­frist gem. § 355 Abs. 2 Satz 1, Abs. 1 Satz 2 BGB a.F. grund­sätz­lich rich­tig mit „zwei Wochen“ an. Durch den Zusatz einer Fuß­no­te mit dem Fuß­no­ten­text „Bit­te Frist im Ein­zel­fall prü­fen“ ver­mit­tel­te die Beleh­rung indes­sen hier den Ein­druck, die Län­ge der Frist kön­nen je nach den nicht mit­ge­teil­ten Umstän­den des Ein­zel­falls vari­ie­ren und es sei Auf­ga­be des Ver­brau­chers, die in sei­nem Fall gel­ten­de Frist selbst fest­zu­stel­len“.

Da die Beleh­rung mit der Mus­ter­be­leh­rung der BGB-Info­­Ver­­or­d­­nung nicht über­ein­stimmt, kön­nen sich die Spar­kas­sen auch nicht auf die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on der Mus­ter­be­leh­rung stüt­zen. Angrif­fe des Ver­brau­chers gehen ins Lee­re, wür­de die Bank das Mus­ter der BGB-Info­­Ver­­or­d­­nung nach Gestal­tung und Inhalt voll­stän­dig über­neh­men. Das haben die Spar­kas­sen aber nicht getan.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in sei­ner Sit­zung vom 22. März 2016 erneut mit den Bera­tungs­pflich­ten von Ban­ken beim Abschluss von Zin­s­­satz-Swap­­ver­­­trä­gen beschäf­tigt und damit sei­ne bis­he­ri­gen Grund­satz­aus­füh­run­gen zur Kon­ne­xi­tät von Dar­­­le­hens- und Swap­ver­trag kon­kre­ti­siert. So leg­ten die Karls­ru­her Rich­ter fest, wel­che Anfor­de­run­gen an kon­ne­xe Ver­trags­kom­bi­na­tio­nen zu stel­len sind. Liegt kei­ne Kon­ne­xi­tät vor, so erhöht sich der Umfang der Bera­tungs­pflich­ten eines Kre­dit­in­sti­tuts ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Auf­klä­rung über den nega­ti­ven Markt­wert.

Eine Gemein­de in Nor­d­rhein-Wes­t­­fa­­len schloss im Jahr 2009 meh­re­re Swap­ver­trä­ge mit der WestLB, wobei zwei der Ver­trä­ge der Ablö­sung vor­an­ge­gan­ge­ner, wirt­schaft­lich nicht sinn­vol­ler Swap­ver­trä­ge dien­ten. Damit war die Klä­ge­rin zwar über das Bestehen eines nega­ti­ven Markt­wer­tes infor­miert, nicht jedoch über des­sen Höhe. Das Ein­prei­sen eines nega­ti­ven Markt­wer­tes in ein Swap­ge­schäft aber stellt einen schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt dar, wes­halb dies­be­züg­lich stren­ge Bera­tungs­pflich­ten für Bank gel­ten, sofern kein kon­ne­xes Grund­ge­schäft vor­liegt.

Lan­ge Zeit waren die an das kon­ne­xe Grund­ge­schäft anzu­le­gen­den Maß­stä­be unklar, wur­den jetzt aller­dings vom Bun­des­ge­richts­hof klar defi­niert:

  • Bei Dar­le­hens­ge­ber und Swap­ver­trags­part­ner muss es sich um den­sel­ben Ver­trags­part­ner han­deln
  • Der Bezugs­be­trag des Zins­swap­ver­tra­ges muss der zum jewei­li­gen Zeit­punkt bestehen­den Restva­lu­ta des Dar­le­hens ent­spre­chen bzw. darf die­se nicht über­stei­gen
  • Lauf­zeit des Swap­ver­tra­ges und Lauf­zeit des varia­blen Dar­le­hens­ver­tra­ges müs­sen ein­an­der ent­spre­chen bzw. darf die Lauf­zeit des Swap­ver­tra­ges die des Dar­le­hens nicht über­stei­gen
  • Die jewei­li­gen Zins­zah­lungs­ter­mi­ne für Dar­le­hens­neh­mer und Swap­ver­trags­part­ner müs­sen über­ein­stim­men
  • Der Zins­satzswap muss der Umwand­lung eines varia­blen Dar­le­hens in ein syn­the­ti­sches Fest­zins­dar­le­hen oder der Umwand­lung eines Fest­zins­dar­le­hens in ein syn­the­ti­sches varia­bles Dar­le­hen die­nen.

Hel­­mut-Joa­­chim König, Geschäfts­füh­rer der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. und Kre­dit­sach­ver­stän­di­ger der Finan­ci­al Advices GmbH in Göt­tin­gen, ermu­tigt Dar­le­hens­neh­mer, sich der­ar­ti­ge Fehl­be­ra­tun­gen nicht gefal­len zu las­sen: „Die die­sem Urteil zugrun­de­lie­gen­de Bera­tungs­si­tua­ti­on stellt kei­nes­wegs einen Ein­zel­fall dar. Wir kön­nen Dar­le­hens­neh­mer daher nur immer wie­der raten, ihre Ver­trä­ge prü­fen zu las­sen, denn ein nega­ti­ver Markt­wert stellt eine mas­si­ve Belas­tung der Boni­tät dar“.