Dar­le­hen mit einem Fest­zins kamen Bank­kun­den in Deutsch­land teu­er zu ste­hen. Der Grund: Die Kre­dit­neh­mer glaub­ten, sich mit die­ser Vari­an­te gegen stei­gen­de Zin­sen und Kos­ten abzu­si­chern. Der gewünsch­te Schutz vor der vola­ti­len Markt­ent­wick­lung kos­te­te aller­dings unter dem Strich um bis zu 69 Pro­zent mehr als die alter­na­ti­ve varia­bel ver­zins­li­che Vari­an­te. In der Pra­xis ist das vor allem bei der Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung bri­sant. Erfah­rungs­ge­mäß sind hier die Finan­zie­rungs­sum­men am größ­ten und die Lauf­zei­ten am längs­ten. Das zeigt eine von der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. beauf­trag­te Finanz­ana­ly­se, die von Finan­ci­al Advices GmbH aus Göt­tin­gen durch­ge­führt wur­de.

Unser Dar­le­hens­ver­gleich der ver­gan­ge­nen 25 Jah­re zeigt, dass Kre­dit­neh­mer mit der Fest­zins­ver­ein­ba­rung beträcht­li­che höhe­re Kos­ten hat­ten, als wenn deren Zins­satz varia­bel an die aktu­el­le Markt­ent­wick­lung (Euri­bor) gebun­den gewe­sen wäre“, sagt Hel­­mut-Joa­­chim König von der Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. „Die Zins­ver­ein­ba­rung ist neben Til­gungs­form und Lauf­zeit einer der wesent­li­chen Kos­ten­fak­to­ren. Daher mach­te die Ent­schei­dung der meis­ten Käu­fer, ihre Immo­bi­lie per Fest­zins zu finan­zie­ren, wirt­schaft­lich nur sel­ten Sinn.“

Die bei fixier­tem Zins­satz zwi­schen 1991 und 2016 ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten sind beträcht­lich: Sie belau­fen sich für ein Fest­zins­dar­le­hen mit 15-jäh­­ri­ger Zins­bin­dung in der Spit­ze auf rund 69 Pro­zent der finan­zier­ten Sum­me. Bei den auf 10 Jah­re fest­ge­schrie­be­nen Dar­le­hen beträgt der Mehr­auf­wand an Zins­kos­ten bis zu 44 Pro­zent. Ledig­lich die 5-jäh­­ri­ge Zins­bin­dung ermög­lich­te in fünf Fäl­len, dass Kun­den damit mini­mal bes­ser abschnit­ten: Im Ver­gleich zur varia­blen Ver­zin­sung liegt der Vor­teil bei maxi­mal 1,25 Pro­zent des finan­zier­ten Betra­ges.

Dar­le­hen mit varia­blem Zins füh­ren hier­zu­lan­de noch ein Schat­ten­da­sein — Ban­ken raten höchs­tens für die Zwi­schen­fi­nan­zie­rung zu die­ser Alter­na­ti­ve. Das soll­te so nicht sein“, sagt Hel­­mut-Joa­­chim König. Denn die varia­ble Ver­zin­sung hat sich im Ver­gleich zum Fest­zins als das güns­ti­ge­re Ange­bot erwie­sen. Wer in Deutsch­land bei­spiels­wei­se eine Immo­bi­lie finan­zie­ren will, soll­te aus sämt­li­chen ver­füg­ba­ren Vari­an­ten aus­wäh­len kön­nen. Damit gehört die fle­xi­ble Dar­le­hens­ver­zin­sung als fai­res Ange­bot in das Stan­dard-Reper­­toire von Bank­be­ra­tern, zumal der Dar­le­hens­neh­mer je nach Markt­ent­wick­lung vom varia­bel ver­zins­li­chen Dar­le­hen in ein Fest­zins­dar­le­hen wech­seln oder aber Zins­si­che­rungs­ge­schäf­te abschlie­ßen kann.“

Für wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen wen­den Sie sich bit­te an die Kapi­tal­schutz­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. unter www.ksv-mittelstand.de.


Wie­der mal hat der Bun­des­ge­richts­hof am 19. Janu­ar 2016 zuguns­ten von Ver­brau­chern ent­schie­den. Hier­bei ging es um die Klä­rung der Fra­ge, ob der Dar­le­hens­neh­mer nach Kün­di­gung eines Dar­le­hens­ver­tra­ges sei­tens der Bank auf­grund von Zah­lungs­ver­zug ver­pflich­tet ist, neben der offe­nen Dar­le­hens­va­lu­ta auch eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zu zah­len. Die Pres­se­stel­le des Bun­des­ge­richts­hofs fasst das Urteil wie folgt zusam­men:

Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det über Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung bei vor­zei­ti­ger Kün­di­gung eines Ver­brau­cher­dar­le­hens infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers

Urteil vom 19. Janu­ar 2016 — XI ZR 103/​​15

Der für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat heu­te ent­schie­den, dass § 497 Abs. 1 BGB (in der bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung) eine spe­zi­el­le Rege­lung zur Scha­dens­be­rech­nung bei not­lei­den­den Kre­di­ten ent­hält, die vom Dar­le­hens­ge­ber infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers vor­zei­tig gekün­digt wor­den sind. Die Vor­schrift schließt die Gel­tend­ma­chung einer als Ersatz des Erfül­lungs­in­ter­es­ses ver­lang­ten Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung aus.

Die beklag­te Kreis­spar­kas­se gewähr­te zwei nicht am Rechts­streit betei­lig­ten natür­li­chen Per­so­nen im Jahr 2004 jeweils ein zum 30. Novem­ber 2016 fäl­li­ges Ver­brau­cher­dar­le­hen, für deren Rück­zah­lung unter ande­rem eine Grund­schuld an einem Grund­stück als Sicher­heit dien­te, das im Eigen­tum einer aus den Dar­le­hens­neh­mern und dem Klä­ger bestehen­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts stand. Im Jahr 2010 und 2011 kün­dig­te die Beklag­te die bei­den Dar­le­hen vor­zei­tig wegen Zah­lungs­ver­zugs der Dar­le­hens­neh­mer, stell­te die noch offe­ne Dar­le­hens­va­lu­ta fäl­lig und begehr­te fer­ner die Zah­lung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe von 76.602,94 € und 9.881,85 €. Zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück zahl­te der Klä­ger an die beklag­te Kreis­spar­kas­se — ohne Anwei­sung der Dar­le­hens­neh­mer — die ver­lang­te Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe des noch offe­nen Betrags von ins­ge­samt 24.569,18 €, wobei er sich deren Über­prü­fung dem Grun­de und der Höhe nach vor­be­hielt.

Die unter ande­rem auf Rück­zah­lung die­ses Betrags nebst Zin­sen gerich­te­te Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg.

Der XI. Zivil­se­nat hat auf die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Klä­gers das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se auf­ge­ho­ben und die Beklag­te unter Abän­de­rung des land­ge­richt­li­chen Urteils zur Zah­lung der begehr­ten 24.569,18 € nebst Zin­sen ver­ur­teilt. Dabei waren im Wesent­li­chen fol­gen­de Über­le­gun­gen maß­geb­lich:

Die in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­te­ne Fra­ge, ob der Dar­le­hens­ge­ber im Fal­le der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung eines Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers anstel­le des Ver­zö­ge­rungs­scha­dens eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung als Ersatz sei­nes Nicht­er­fül­lungs­scha­dens ver­lan­gen kann, wird vom Wort­laut des § 497 Abs. 1 BGB in der hier maß­geb­li­chen bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung* nicht ein­deu­tig beant­wor­tet. Nach die­ser Vor­schrift hat der Dar­le­hens­neh­mer, der mit sei­ner Zah­lungs­ver­pflich­tung in Ver­zug kommt, den geschul­de­ten Betrag mit dem dort fest­ge­leg­ten Ver­zugs­zins­satz zu ver­zin­sen. Ob damit zugleich eine Sperr­wir­kung in dem Sin­ne ver­bun­den ist, dass eine ande­re Form des Scha­dens­er­sat­zes nicht gel­tend gemacht wer­den kann, lässt sich dem Wort­laut der Vor­schrift selbst nicht ent­neh­men. Dafür spre­chen indes die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te und der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift.

Nach der Geset­zes­be­grün­dung soll­te “der Ver­zugs­zins nach Scha­dens­er­satz­ge­sichts­punk­ten zu ermit­teln und ein Rück­griff auf den Ver­trags­zins grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen” sein (BT-Drucks. 11/​​5462, S. 26 zur Vor­gän­ger­norm des § 11 Ver­brKrG). Der Gesetz­ge­ber woll­te damit die Scha­dens­be­rech­nungs­mög­lich­kei­ten einer ein­fa­chen und prak­ti­ka­blen Neu­re­ge­lung zufüh­ren. Zugleich soll­te mit der Fest­le­gung der Höhe des Ver­zugs­zin­ses auch dem Ver­brau­cher die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, die Höhe der Mehr­auf­wen­dun­gen im Ver­zugs­fall selbst zu berech­nen. Die­ses Ziel der (Prozess-)Vereinfachung wür­de indes nicht erreicht, wenn der Dar­le­hens­ge­ber anstel­le der ein­fa­chen Ver­zugs­zins­be­rech­nung auf die im Zeit­punkt der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung bestehen­den Zah­lungs­rück­stän­de eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung bean­spru­chen könn­te. Vor allem aber wür­de bei Zubil­li­gung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, die im Aus­gangs­punkt auf dem Ver­trags­zins beruht, das vor­nehm­li­che Ziel des Gesetz­ge­bers, einen Rück­griff auf den Ver­trags­zins für die Scha­dens­be­rech­nung nach Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen, ver­fehlt.

Soweit damit — was bereits gegen die Vor­gän­ger­re­ge­lung ein­ge­wen­det wor­den ist — für den Bereich des Ver­brau­cher­dar­le­hens­ge­schäfts eine Bes­ser­stel­lung des ver­trags­brü­chi­gen gegen­über dem ver­trags­treu­en Schuld­ner ver­bun­den sein soll­te, hat der Gesetz­ge­ber dies bewusst in Kauf genom­men, indem er bei Über­füh­rung des § 11 Ver­brKrG in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz zu einer Ände­rung der Rechts­la­ge kei­nen Anlass gese­hen hat, son­dern ganz im Gegen­teil den Anwen­dungs­be­reich des § 497 Abs. 1 BGB sogar noch auf Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trä­ge aus­ge­dehnt hat.

Vor­in­stan­zen:

LG Stutt­gart — Urteil vom 12. August 2014 — 21 O 830/​​13

OLG Stutt­gart — Urteil vom 11. Febru­ar 2015 — 9 U 153/​​14

Karls­ru­he, den 19. Janu­ar 2016

* § 497 BGB in der bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung

(1) Soweit der Dar­le­hens­neh­mer mit Zah­lun­gen, die er auf Grund des Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags schul­det, in Ver­zug kommt, hat er den geschul­de­ten Betrag nach § 288 Abs. 1 zu ver­zin­sen; dies gilt nicht für Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trä­ge. Bei die­sen Ver­trä­gen beträgt der Ver­zugs­zins­satz für das Jahr zwei­ein­halb Pro­zent­punk­te über dem Basis­zins­satz. Im Ein­zel­fall kann der Dar­le­hens­ge­ber einen höhe­ren oder der Dar­le­hens­neh­mer einen nied­ri­ge­ren Scha­den nach­wei­sen.”


Bei Dar­le­hens­ver­trä­gen mit varia­blen Zins­sät­zen (auch Zin­s­­Cap-Dar­­­le­hen) haben Kre­dit­in­sti­tu­te in der Ver­gan­gen­heit zahl­rei­che Feh­ler gemacht. Für Dar­le­hens­neh­mer erge­ben sich so gute Mög­lich­kei­ten, zu viel geleis­te­te Zin­sen und Gebüh­ren zurück­zu­er­hal­ten.

Im Rah­men der Erhe­bung von Zins­be­gren­zungs­ge­büh­ren ver­schaf­fen sich Kre­dit­in­sti­tu­te häu­fig einen (rechts­wid­ri­gen) wirt­schaft­li­chen Vor­teil. Die Par­tei­en ver­ein­ba­ren, in der Regel auf Initia­ti­ve der Bank hin, einen Zins­kor­ri­dor, mit dem die Schwan­kungs­brei­te der varia­blen Zin­sen für einen fest­ge­leg­ten Zeit­raum durch Anga­be eines Min­­dest- und Höchst­zin­ses beschränkt wird (sog. „Cap-Dar­­­le­hen“).

Dies bie­tet dem Kun­den den Vor­teil, dass er sich gegen Erhö­hun­gen des Kapi­tal­markt­zin­ses über den ver­ein­bar­ten Höchst­zins hin­aus absi­chert. Die­sen Vor­teil lässt sich die Bank über die Erhe­bung einer Zins­be­gren­zungs­ge­bühr bezah­len. Ver­pflich­tet sich der Kun­de, einen Min­dest­zins zu zah­len, wird er über den wirt­schaft­li­chen Wert die­ser Leis­tung häu­fig nicht auf­ge­klärt und geht Ver­pflich­tun­gen ein, ohne über die nicht unbe­acht­li­chen Risi­ken auf­ge­klärt wor­den zu sein und ohne eine leis­tungs­ge­rech­te Ver­gü­tung zu erhal­ten.

Nach Ansicht eini­ger Kre­dit­sach­ver­stän­di­ger war es in der Ver­gan­gen­heit zum Zeit­punkt der Zins­be­gren­zungs­ver­ein­ba­rung häu­fig sehr viel wahr­schein­li­cher, dass der Kapi­tal­markt­zins unter die Gren­ze des Min­dest­zin­ses fal­len wür­de, als dass er den Höchst­zins über­schritt. Über die­se Pro­gno­se klär­ten die Ban­ken aber meist nicht auf, so dass die­se zum einen die Zin­s­­Cap-Gebühr und zum ande­ren die Dif­fe­renz zwi­schen Min­dest­zins und tat­säch­li­chem Markt­zins ver­ein­nahm­ten, ohne die Garan­tie­leis­tung des Kun­den markt­ge­recht zu bezah­len.

Der Sinn und Zweck der Zin­s­­Cap-Prä­­mie ent­fällt aber, wenn die Ver­ein­ba­rung eines varia­blen Zins­sat­zes wegen des Ver­sto­ßes gegen gesetz­li­che Vor­schrif­ten unwirk­sam ist. In einem sol­chen Fall (z. B. Ver­brau­cher­im­mo­bi­li­en­dar­le­hen) besteht kei­ne Ver­an­las­sung, der Bank wegen der unge­nau­en und damit unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­sel eine Zins­si­che­rungs­ge­bühr zukom­men zu las­sen, so dass die Zin­s­­Cap-Prä­­mie eben­falls von der Bank zurück­ge­for­dert wer­den kann.1

Sol­che Rück­for­de­rungs­an­sprü­che erge­ben sich auch aus der Aus­ge­stal­tung von Pra­xis- und Immo­bi­li­en­dar­le­hen der apo­Bank, die im Bereich ihrer Ziel­grup­pe über einen Markt­an­teil von 60% ver­fügt und des­halb hier beson­de­re Erwäh­nung fin­det.

In ihren Dar­le­hens­ver­trä­gen (sog. „apo­Zin­s­cap­Dar­le­hen“) gibt die apo­Bank bis in die jüngs­te Ver­gan­gen­heit die Höchst- und Min­dest­gren­ze des Zin­ses und die sofor­ti­ge Fäl­lig­keit der Zins­si­che­rungs­ge­bühr (meist 5 %) in zwei knap­pen Sät­zen als Appen­dix zum Erst­be­rech­nungs­zins an. Es feh­len jedoch Bestim­mun­gen, auf wel­chen Bezugs­be­trag sich die Zins­si­che­rungs­leis­tun­gen des Zins-Col­lars (also Zins­be­gren­zung nach oben und unten) wäh­rend der Lauf­zeit der Ver­ein­ba­rung bezie­hen, wel­che Mög­lich­kei­ten der Been­di­gung des Siche­rungs­ge­schäfts bestehen und wel­che Fol­gen in die­sem Fall ein­tre­ten.

Dar­über hin­aus feh­len not­wen­di­ge Anga­ben

  1. zum Markt­wert (Opti­ons­preis) des Siche­rungs­ge­schäfts,
  2. zu dem den Kun­den belas­ten­den nega­ti­ven Markt­wert (der sich dar­aus ergibt, dass der Leis­tung der Bank die Gegen­leis­tung des Kun­den in Form der zu zah­len­den CAP–Gebühr gegen­über steht, wäh­rend die i.d.R. wert­hal­ti­ge­re Kun­den­leis­tung von der Bank nicht ver­gü­tet wird) sowie
  3. zu den Beleh­rungs­pflich­ten nach § 31 Abs. 3 WpHG.3

Die etwai­ge Ver­jäh­rung von Rück­erstat­tungs­an­sprü­chen ist am Ein­zel­fall zu prü­fen. Doch selbst im Fal­le der dro­hen­den Ver­jäh­rung der Ansprü­che besteht die Mög­lich­keit — sofern die Ver­trags­be­zie­hung noch fort­be­steht — gegen Ansprü­che der Bank auf­zu­rech­nen.

Wel­che Ansprü­che bei unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­seln ent­ste­hen kön­nen, zeigt das Schau­bild. Dem Bei­spiel liegt ein Ver­brau­cher­im­mo­bi­li­en­dar­le­hen über EUR 165.000 € zugrun­de, das varia­bel ver­zinst wur­de. Mit der Bank wur­de ein Erst­be­rech­nungs­zins von 4,95 %, ein Min­dest­zins von 3,5 % und ein Höchst­zins von 5,2 % ver­ein­bart. Zudem wur­de mit Abschluss des Ver­tra­ges eine Cap-Gebühr in Höhe von 5 % der Dar­le­hens­sum­me fäl­lig. Für das im Jahr 2002 ver­ein­bar­te Dar­le­hen berech­ne­te die Bank EUR 79.379,19. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge, Finan­ci­al Advices GmbH, Göt­tin­gen, ermit­tel­te jedoch nur eine berech­tig­te Zins­last in Höhe von EUR 40.162,71. Die Bank hat­te also – ohne dass das der Kun­de hät­te erken­ne kön­nen – ihre Bank­mar­ge zulas­ten des Kun­den ver­än­dert und damit Zin­sen berech­net und ein­ge­zo­gen, die den Kun­den zu Unrecht belas­te­ten. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge ermit­tel­te den Scha­den und konn­te für den Kli­en­ten bei der Bank eine ein­ver­nehm­li­che Rege­lung aus­han­deln. Die­se umfass­te auch die Erstat­tung der gezahl­ten Cap-Gebühr in Höhe von EUR 8.250.

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1 LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 07.11.2014 – 22 O 208/​​12 „Der Sinn und Zweck der Zin­s­­cap-Prä­­mie ent­fällt aber, wenn die Ver­ein­ba­rung eines varia­blen Zins­sat­zes wegen des Ver­sto­ßes gegen gesetz­li­che Vor­schrif­ten unwirk­sam ist. In einem sol­chen Fall besteht kei­ne Ver­an­las­sung, der Beklag­ten wegen eines güns­ti­gen varia­blen Zins­sat­zes eine Zins­si­che­rungs­ge­bühr zukom­men zu las­sen, so dass die Zin­s­­cap-Prä­­mie gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1, 1. Alt. BGB zurück­ver­langt wer­den kann“

2 LG Stutt­gart, Urteil vom 24.08.2011 – 8 O 561/​​10 „Ein Opti­ons­ver­mitt­ler ist ver­pflich­tet, dem Käu­fer den Opti­ons­preis zu nen­nen und ihn auch auf sei­ne Bedeu­tung und die wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hän­ge hin­zu­wei­sen.“

3 „Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men sind ver­pflich­tet, Kun­den recht­zei­tig und in ver­ständ­li­cher Form Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len, die ange­mes­sen sind, damit die Kun­den nach ver­nünf­ti­gem Ermes­sen die Art und die Risi­ken der ihnen ange­bo­te­nen oder von ihnen nach­ge­frag­ten Arten von Finanz­in­stru­men­ten oder Wert­pa­pier­dienst­leis­tun­gen ver­ste­hen und auf die­ser Grund­la­ge ihre Anla­ge­ent­schei­dun­gen tref­fen kön­nen. Die Infor­ma­tio­nen kön­nen auch in stan­dar­di­sier­ter Form zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Die Infor­ma­tio­nen müs­sen sich bezie­hen auf

  1. das Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men und sei­ne Dienst­leis­tun­gen,
  2. die Arten von Finanz­in­stru­men­ten und vor­ge­schla­ge­ne Anla­ge­stra­te­gi­en ein­schließ­lich damit ver­bun­de­ner Risi­ken,
  3. Aus­füh­rungs­plät­ze und
  4. Kos­ten und Neben­kos­ten.“.

Bei Dar­le­hens­ver­trä­gen mit varia­blen Zins­sät­zen haben Kre­dit­in­sti­tu­te in der Ver­gan­gen­heit zahl­rei­che Feh­ler gemacht. Für die Dar­le­hens­neh­mer erge­ben sich so gute Mög­lich­kei­ten, zu viel geleis­te­te Zin­sen, Zins­be­gren­zungs­prä­mi­en und Bear­bei­tungs­ent­gel­te zurück­zu­er­hal­ten.

Die Bank wird den Zins­satz den Ver­än­de­run­gen am Geld­markt unter Berück­sich­ti­gung ihrer wech­seln­den und ihren bei Ver­trags­ab­schluss nicht über­schau­ba­ren künf­ti­gen Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten anpas­sen. Bil­det der Refe­renz­zins die Schwan­kun­gen am Geld­markt nicht mehr ab, ist die Bank berech­tigt, einen geeig­ne­ten Refe­renz­zins zu bestim­men.

Sol­che und ähn­li­che For­mu­lie­run­gen fin­den sich in vie­len Bestim­mun­gen varia­bel ver­zins­li­cher Dar­le­hen wie­der. Grund­sätz­lich bestehen hin­sicht­lich einer Ver­ein­ba­rung von varia­blen Zin­sen, soweit die Anpas­sung der Dar­le­hens­zin­sen an den Geld­markt­zins nach­voll­zieh­bar und fair gere­gelt ist, kei­ne Beden­ken.

In dem oben genann­ten Bei­spiel ist jedoch bereits unklar, auf wel­chen Markt und wel­che Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten abge­stellt wer­den soll. Eben­falls lässt sich durch eine sol­che For­mu­lie­rung nicht erken­nen, wel­che kon­kre­ten Bedin­gun­gen im Hin­blick auf Anpas­sungs­hö­he und Zeit­punkt erfüllt sein müs­sen, um eine „Ver­än­de­rung“ des Zins­sat­zes aus­zu­lö­sen.

Auf­grund der getrof­fe­nen For­mu­lie­rung unter­liegt der Zins­an­pas­sungs­vor­gang nicht einem nach­voll­zieh­ba­ren Regel­werk, sodass die Klau­sel dem Kun­den kei­ne Über­prü­fung von Anpas­sungs­vor­gän­gen ermög­licht und folg­lich intrans­pa­rent ist. Sie wider­spricht damit dem Grund­satz­ur­teil des BGH vom 21. April 2009 nach dem die Zins­an­pas­sungs­klau­sel eine Bin­dung der Bank an den Umfang des Kos­ten­an­stiegs vor­zu­se­hen hat und eine Ver­pflich­tung ent­hal­ten muss, Kos­ten­min­de­run­gen an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, ohne dass der Bank ein Ent­schei­dungs­spiel­raum (Ermes­sen) zukommt. Die­se Vor­ga­be ent­spricht dem Gebot, die bei Ver­trags­ab­schluss kal­ku­lier­te (rela­ti­ve) Bank­mar­ge wäh­rend der Ver­trags­dau­er bei­zu­be­hal­ten.

Die der­art gestal­te­ten Klau­seln wur­den von den Ban­ken in einer Viel­zahl von Fäl­len dazu genutzt, Sen­kun­gen des Kapi­tal­markt­zin­ses ver­spä­tet, in abge­schwäch­tem Umfang oder über­haupt nicht an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben; Erhö­hun­gen jedoch vor­zei­tig und in zu star­kem Umfang. Den betrof­fe­nen Kun­den wur­den so über Jah­re hin­weg zu hohe Zin­sen in Rech­nung gestellt, ohne dass der Kun­de die Mar­gener­wei­te­rung hät­te erken­nen kön­nen.

Die sich dar­aus erge­be­nen Rechts­fol­gen sind wei­test­ge­hend geklärt und vom Ein­zel­fall und der jewei­li­gen Art des gewähr­ten Dar­le­hens abhän­gig. Bei Ver­brau­cher­dar­le­hen gibt es eine gefes­tig­te Instan­zen­recht­spre­chung, die durch ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung einen neu­en Zins­me­cha­nis­mus defi­niert: Zins­sen­kun­gen und -erhö­hun­gen des Kapi­tal­markt­zin­ses sind 1 zu 1 wei­ter­zu­ge­ben, wobei Zins­er­hö­hun­gen maxi­mal auf den anfäng­li­chen Ver­trags­zins beschränkt sind. Von eini­gen Land­ge­rich­ten wur­de dies auch bereits für gewerb­li­che Dar­le­hen bestä­tigt (vgl. LG Stutt­gart, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 20131. Die unwirk­sa­me Zins­an­pas­sungs­klau­sel hat also zur Fol­ge, dass die Bank die Zin­sen nicht erhö­hen darf und infol­ge­des­sen auch die Zins­be­gren­zungs­ge­bühr dem Dar­le­hens­neh­mer zu erstat­ten hat, da die Zins­be­gren­zung bereits die gesetz­li­che Fol­ge einer unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­sel ist2.

Wel­che Ansprü­che bei unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­seln ent­ste­hen kön­nen, zeigt das nach­ste­hen­de Schau­bild. Dem Bei­spiel liegt ein Ver­brau­cher­im­mo­bi­li­en­dar­le­hen über EUR 165.000 € zugrun­de, das varia­bel ver­zinst wur­de. Mit der Bank wur­de ein Erst­be­rech­nungs­zins von 4,95 %, ein Min­dest­zins von 3,5 % und ein Höchst­zins von 5,2 % ver­ein­bart. Für das im Jahr 2002 ver­ein­bar­te Dar­le­hen berech­ne­te die Bank EUR 79.379,19. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge, Finan­ci­al Advices GmbH, Göt­tin­gen, ermit­tel­te jedoch nur eine berech­tig­te Zins­last in Höhe von EUR 40.162,71. Die Bank hat­te also – ohne dass das der Kun­de hät­te erken­ne kön­nen – ihre Bank­mar­ge zulas­ten des Kun­den ver­än­dert und damit Zin­sen berech­net und ein­ge­zo­gen, die den Kun­den zu Unrecht belas­te­ten. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge ermit­tel­te den Scha­den und konn­te für den Kli­en­ten bei der Bank eine ein­ver­nehm­li­che Rege­lung aus­han­deln.

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1 Az. 6 O 1/​​13

2 § 494 Abs. 4 Satz 2 BGB; vgl. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 7. Novem­ber 2014 – 22 O 208/​​12