Bei Dar­le­hens­ver­trä­gen mit varia­blen Zins­sät­zen haben Kre­dit­in­sti­tu­te in der Ver­gan­gen­heit zahl­rei­che Feh­ler gemacht. Für die Dar­le­hens­neh­mer erge­ben sich so gute Mög­lich­kei­ten, zu viel geleis­te­te Zin­sen, Zins­be­gren­zungs­prä­mi­en und Bear­bei­tungs­ent­gel­te zurück­zu­er­hal­ten.

Die Bank wird den Zins­satz den Ver­än­de­run­gen am Geld­markt unter Berück­sich­ti­gung ihrer wech­seln­den und ihren bei Ver­trags­ab­schluss nicht über­schau­ba­ren künf­ti­gen Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten anpas­sen. Bil­det der Refe­renz­zins die Schwan­kun­gen am Geld­markt nicht mehr ab, ist die Bank berech­tigt, einen geeig­ne­ten Refe­renz­zins zu bestim­men.

Sol­che und ähn­li­che For­mu­lie­run­gen fin­den sich in vie­len Bestim­mun­gen varia­bel ver­zins­li­cher Dar­le­hen wie­der. Grund­sätz­lich bestehen hin­sicht­lich einer Ver­ein­ba­rung von varia­blen Zin­sen, soweit die Anpas­sung der Dar­le­hens­zin­sen an den Geld­markt­zins nach­voll­zieh­bar und fair gere­gelt ist, kei­ne Beden­ken.

In dem oben genann­ten Bei­spiel ist jedoch bereits unklar, auf wel­chen Markt und wel­che Refi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten abge­stellt wer­den soll. Eben­falls lässt sich durch eine sol­che For­mu­lie­rung nicht erken­nen, wel­che kon­kre­ten Bedin­gun­gen im Hin­blick auf Anpas­sungs­hö­he und Zeit­punkt erfüllt sein müs­sen, um eine „Ver­än­de­rung“ des Zins­sat­zes aus­zu­lö­sen.

Auf­grund der getrof­fe­nen For­mu­lie­rung unter­liegt der Zins­an­pas­sungs­vor­gang nicht einem nach­voll­zieh­ba­ren Regel­werk, sodass die Klau­sel dem Kun­den kei­ne Über­prü­fung von Anpas­sungs­vor­gän­gen ermög­licht und folg­lich intrans­pa­rent ist. Sie wider­spricht damit dem Grund­satz­ur­teil des BGH vom 21. April 2009 nach dem die Zins­an­pas­sungs­klau­sel eine Bin­dung der Bank an den Umfang des Kos­ten­an­stiegs vor­zu­se­hen hat und eine Ver­pflich­tung ent­hal­ten muss, Kos­ten­min­de­run­gen an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, ohne dass der Bank ein Ent­schei­dungs­spiel­raum (Ermes­sen) zukommt. Die­se Vor­ga­be ent­spricht dem Gebot, die bei Ver­trags­ab­schluss kal­ku­lier­te (rela­ti­ve) Bank­mar­ge wäh­rend der Ver­trags­dau­er bei­zu­be­hal­ten.

Die der­art gestal­te­ten Klau­seln wur­den von den Ban­ken in einer Viel­zahl von Fäl­len dazu genutzt, Sen­kun­gen des Kapi­tal­markt­zin­ses ver­spä­tet, in abge­schwäch­tem Umfang oder über­haupt nicht an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben; Erhö­hun­gen jedoch vor­zei­tig und in zu star­kem Umfang. Den betrof­fe­nen Kun­den wur­den so über Jah­re hin­weg zu hohe Zin­sen in Rech­nung gestellt, ohne dass der Kun­de die Mar­gener­wei­te­rung hät­te erken­nen kön­nen.

Die sich dar­aus erge­be­nen Rechts­fol­gen sind wei­test­ge­hend geklärt und vom Ein­zel­fall und der jewei­li­gen Art des gewähr­ten Dar­le­hens abhän­gig. Bei Ver­brau­cher­dar­le­hen gibt es eine gefes­tig­te Instan­zen­recht­spre­chung, die durch ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung einen neu­en Zins­me­cha­nis­mus defi­niert: Zins­sen­kun­gen und -erhö­hun­gen des Kapi­tal­markt­zin­ses sind 1 zu 1 wei­ter­zu­ge­ben, wobei Zins­er­hö­hun­gen maxi­mal auf den anfäng­li­chen Ver­trags­zins beschränkt sind. Von eini­gen Land­ge­rich­ten wur­de dies auch bereits für gewerb­li­che Dar­le­hen bestä­tigt (vgl. LG Stutt­gart, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 20131. Die unwirk­sa­me Zins­an­pas­sungs­klau­sel hat also zur Fol­ge, dass die Bank die Zin­sen nicht erhö­hen darf und infol­ge­des­sen auch die Zins­be­gren­zungs­ge­bühr dem Dar­le­hens­neh­mer zu erstat­ten hat, da die Zins­be­gren­zung bereits die gesetz­li­che Fol­ge einer unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­sel ist2.

Wel­che Ansprü­che bei unwirk­sa­men Zins­an­pas­sungs­klau­seln ent­ste­hen kön­nen, zeigt das nach­ste­hen­de Schau­bild. Dem Bei­spiel liegt ein Ver­brau­cher­im­mo­bi­li­en­dar­le­hen über EUR 165.000 € zugrun­de, das varia­bel ver­zinst wur­de. Mit der Bank wur­de ein Erst­be­rech­nungs­zins von 4,95 %, ein Min­dest­zins von 3,5 % und ein Höchst­zins von 5,2 % ver­ein­bart. Für das im Jahr 2002 ver­ein­bar­te Dar­le­hen berech­ne­te die Bank EUR 79.379,19. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge, Finan­ci­al Advices GmbH, Göt­tin­gen, ermit­tel­te jedoch nur eine berech­tig­te Zins­last in Höhe von EUR 40.162,71. Die Bank hat­te also – ohne dass das der Kun­de hät­te erken­ne kön­nen – ihre Bank­mar­ge zulas­ten des Kun­den ver­än­dert und damit Zin­sen berech­net und ein­ge­zo­gen, die den Kun­den zu Unrecht belas­te­ten. Die Kre­dit­sach­ver­stän­di­ge ermit­tel­te den Scha­den und konn­te für den Kli­en­ten bei der Bank eine ein­ver­nehm­li­che Rege­lung aus­han­deln.

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1 Az. 6 O 1/​13

2 § 494 Abs. 4 Satz 2 BGB; vgl. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 7. Novem­ber 2014 – 22 O 208/​12